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Warum digitale Souveränität die Agenda der re:publica 26 bestimmen wird

re:publica 2026 findet vom 18. bis 20. Mai in Berlin statt. Hinter dem launigen Motto «#NeverGonnaGiveYouUp» stellt Europas grösste Konferenz an der Schnittstelle von Technologie und Gesellschaft die digitale Souveränität ins Zentrum ihres Programms. Das kommt nicht von ungefähr.

Fast 30 000 Teilnehmer, ein roter Faden

Die re:publica bringt jedes Jahr rund 30 000 erwartete Teilnehmer zusammen, 1 000 Speaker auf über 20 Bühnen in der STATION Berlin. Die Ausgabe 2026 markiert einen Wendepunkt: Mindestens vier grosse Sessions befassen sich explizit mit digitaler Souveränität — ein Rekord in der Geschichte der Veranstaltung.

Der Auftakt am ersten Tag gehört Karen Hao mit «How Silicon Valley is Reshaping the World — via AI» (Stage 1, 11:15 Uhr). Später am Tag führt Markus Beckedahl, Mitgründer der re:publica und von netzpolitik.org, ein Gespräch mit Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales — ein Gegenüber, das die neue politische Priorität der digitalen Souveränität symbolisiert.

Was sich seit 2024 verändert hat

Vor zwei Jahren war digitale Souveränität ein Thema für End-of-Day-Panels. 2026 ist es der rote Faden. Drei Faktoren haben die Entwicklung beschleunigt.

Der Broadcom-VMware-Schock. Die Übernahme von VMware durch Broadcom löste Lizenzerhöhungen von 800 % bis 1 500 % in ganz Europa aus. Im März 2026 reichte CISPE, eine Koalition europäischer Cloud-Anbieter, eine Kartellbeschwerde bei der Europäischen Kommission ein. Die Botschaft: Technologische Abhängigkeit hat einen realen Preis.

Der CLOUD Act in der Praxis. 2025 räumte Microsoft ein, die Datensouveränität seiner europäischen Kunden nicht garantieren zu können. Die EU reagierte im November 2025 mit einer Erklärung zur europäischen digitalen Souveränität. Aus Worten werden Taten.

Open Source als Staatspolitik. Schleswig-Holstein, das erste deutsche Bundesland, migriert seine gesamte Verwaltung auf Open Source. Digitalminister Dirk Schrödter wird die Ergebnisse auf der re:publica vorstellen — eine Session für alle, die noch bezweifeln, dass die Migration möglich ist.

Die Sessions, die zählen

Das Programm der re:publica 26 eröffnet vier Fronten.

Souveränität vs. Big Tech. Cory Doctorow, Urheber des Begriffs «Enshittification», und Francesca Bria (ehemalige CTO von Barcelona) sprechen getrennt zu denselben Themen: Doctorow über den Plattformverfall durch den Kontrollverlust der Nutzer, Bria mit ihrem Talk «The Authoritarian Stack» über die europäische Alternative, gebaut auf Offenheit und Unabhängigkeit.

Juristische Offensive. Max Schrems (NOYB) erläutert Klagstrategien gegen Big Tech. Über eine Milliarde Euro an Strafen bereits durchgesetzt. Die Botschaft: Die DSGVO hat Zähne — man muss sie nur nutzen.

Abhängigkeit messen. Laura Dornheim und Jürgen Pfeffer (TU München) präsentieren einen «Sovereignty Score», entwickelt mit der Stadt München — ein Werkzeug, um die digitalen Abhängigkeiten einer Organisation zu quantifizieren. Wenn Souveränität messbar wird, wird sie steuerbar.

KI und Macht. Karen Hao stellt in ihrer Eröffnungskeynote «How Silicon Valley is Reshaping the World — via AI» die grundlegende Frage: Wer die Modelle kontrolliert, kontrolliert den Zugang zu künstlicher Intelligenz.

Über Berlin hinaus

re:publica ist keine Messe. Sie ist ein Barometer. Was im Mai diskutiert wird, findet sich im September in Ausschreibungen und im Januar auf Roadmaps wieder.

Für Schweizer KMU ist das Signal klar: Digitale Souveränität ist kein Nischenthema und kein Marketingargument mehr. Sie ist eine konkrete Entscheidungsachse — bei der Wahl eines Cloud-Anbieters, eines Kollaborationstools, eines Infrastruktur-Stacks.

Das europäische Open-Source-Ökosystem — Apache CloudStack, Nextcloud, OpenStack, Matrix — bietet heute ausgereifte Alternativen zu jedem proprietären Baustein. Die Frage ist nicht mehr «Geht das?», sondern «Wann fangen wir an?».

re:publica 26 wird diese Frage fast 30 000 Menschen stellen. Die Antworten entstehen bereits — in den Rechenzentren und Serverräumen derer, die nicht gewartet haben.

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