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Souveräne Cloud in Europa: 3 Themen, die die re:publica 26 auf den Tisch bringt

Vom 18. bis 20. Mai 2026 bringt die re:publica rund 30 000 erwartete Teilnehmer in Berlin zusammen, um über Technologie, Gesellschaft und Digitalpolitik zu diskutieren. Für Schweizer und DACH-KMU verdienen drei Themen besondere Aufmerksamkeit.

1. Datenresidenz: Recht allein reicht nicht

Der geografische Speicherort der Daten ist der erste Reflex, wenn es um Souveränität geht. In der Schweiz oder in der EU speichern — das ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende.

Der US-amerikanische CLOUD Act ermöglicht es Behörden, Zugang zu Daten zu verlangen, die bei amerikanischen Unternehmen gehostet werden — unabhängig vom Speicherort. Ein Azure-Server in Zürich unterliegt weiterhin US-Recht, wenn der Betreiber Microsoft ist.

Die entscheidende Unterscheidung: Lokalisierung ≠ Souveränität. Souveränität bedeutet Kontrolle — über den Code, die Infrastruktur und die Entscheidungskette. Genau das ist der Kern des Gesprächs zwischen Markus Beckedahl und Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales, auf der re:publica 26: «Digitale Macht begrenzen» — die digitale Macht derer einzuschränken, die die Infrastruktur kontrollieren.

Für ein Schweizer KMU heisst das: nicht nur wissen, wo die Daten liegen, sondern wer darauf zugreifen kann, unter welchem Recht und mit welchem Code. Eine Private Cloud auf Basis von Apache CloudStack und KVM — ein vollständig quelloffener Stack unter Apache-2.0-Lizenz — beantwortet alle vier Fragen eindeutig.

2. Technologische Abhängigkeit: der Preis des Lock-in

Die Übernahme von VMware durch Broadcom hat dem Lock-in einen Preis gegeben: +800 % bis +1 500 % bei den Lizenzen, von einem Tag auf den anderen. 98 % der VMware-Kunden prüfen Alternativen. 36 % haben bereits migriert.

Diese Kluft illustriert das eigentliche Problem: Technologische Abhängigkeit fällt nicht auf, solange alles funktioniert. Sie zeigt sich erst, wenn der Anbieter die Regeln ändert.

Auf der re:publica 26 wird Schleswig-Holstein seine vollständige Open-Source-Migration vorstellen — vom Arbeitsplatz bis zum Server. Das erste deutsche Bundesland, das den Schritt wagt. Die Stadt München wird einen «Sovereignty Score» enthüllen, um die digitalen Abhängigkeiten einer Organisation zu messen.

Das europäische Open-Source-Ökosystem bietet heute Alternativen auf jeder Ebene:

  • Virtualisierung: KVM (im Linux-Kernel integriert) ersetzt ESXi
  • Cloud-Orchestrierung: Apache CloudStack oder OpenStack ersetzen vCenter/vSphere
  • Kollaboration: Nextcloud ersetzt Microsoft 365 / Google Workspace
  • Kommunikation: Matrix/Element ersetzt Slack / Teams
  • Object Storage: Ceph oder MinIO ersetzen proprietäre Lösungen

Das sind keine Prototypen. CloudStack betreibt die Clouds von KDDI, Orange und China Telecom. Nextcloud ist beim Bund im Einsatz. Matrix wird von der Bundeswehr und der NATO genutzt.

3. Gesamtbetriebskosten: der Mythos der «günstigeren Cloud»

Die Public Cloud besticht durch ihre anfängliche Einfachheit: kein Server zu kaufen, keine Infrastruktur zu betreiben. Doch die Gesamtkosten erzählen eine andere Geschichte.

Die Zahlen sind dokumentiert:

  • 25 % der Organisationen haben bereits mindestens einen Workload aus der Public Cloud zurückgeholt
  • 280 000 USD: durchschnittliche Migrationskosten von einer Cloud in eine andere für ein mittelständisches Unternehmen
  • 38 % der Migrationsprojekte überschreiten das Budget, im Schnitt um 14 bis 23 %
  • Hauptgrund für die Rückholung: Kosten (54 %), gefolgt von Performance (31 %) und Souveränität (27 %)

Für ein Schweizer KMU mit 30 VMs ist der 3-Jahres-Vergleich klar. VMware-Lizenzen nach Broadcom: 135 000 bis 225 000 CHF. Dieselbe Infrastruktur auf CloudStack + KVM: 0 CHF Lizenzkosten, Aufwand beschränkt auf Hardware und Inbetriebnahme.

Server-Hardware — AMD-EPYC-Prozessoren, NVMe, ECC — ist heute leistungsfähig und erschwinglich genug, um mit einem einzigen physischen Server eine vollständige Private Cloud für ein KMU zu betreiben. On-Premises-Infrastruktur ist kein Rückschritt. Es ist eine wirtschaftliche Rechnung.

Was die re:publica dem Rest Europas sagt

Wenn Max Schrems (NOYB) seine Klagstrategien gegen Big Tech präsentiert, Cory Doctorow die «Enshittification» der Plattformen seziert und ein deutscher Digitalminister auf der Bühne Bilanz zieht, ist das ein Zeichen: Digitale Souveränität verlässt den Spezialistenkreis und wird zum Vorstandsthema.

Für Schweizer und DACH-KMU gilt: Die Werkzeuge existieren. Der rechtliche Rahmen wird stärker. Die technischen Alternativen sind ausgereift. Das einzige verbleibende Risiko ist, nichts zu tun.

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